EmpCo in der Wohnungswirtschaft: typische Aussagen – und wie es besser geht
Statt Versprechen glaubwürdiger und verständlicher formulieren: Nutzen Sie EmpCo als Chance und kommunizieren Sie die wirklichen Vorteile Ihres Unternehmens.
Lesezeit: 06:25 min.
„Nachhaltig.“ „Umweltfreundlich.“ „Energieeffizient.“ „Wir übernehmen Verantwortung.“
Veröffentlicht am: 08.09.2026
Aktualisiert am: 05.10.2026
Ein Beitrag von Alexa Sprawe, Expertin für Projektmanagement
Seit dem 27. September 2026 gelten mit der europäischen EmpCo-Richtlinie, die in Deutschland über Änderungen des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) umgesetzt wurde, neue und teilweise deutlich strengere Regeln für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen.
Die EmpCo-Regeln sollen Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Greenwashing und irreführenden Umweltversprechen schützen.
Für Wohnungsunternehmen betrifft das unter anderem Websites, Exposés, Mieterzeitungen, Geschäftsberichte, Broschüren, Kampagnen und Social Media.
Das heißt aber nicht, dass Vermieter nun nicht mehr über energetische Modernisierung, Klimaschutz, soziale Angebote oder lebenswerte Quartiere sprechen dürfen.
Im Gegenteil: Konkrete Aussagen sind häufig glaubwürdiger und verständlicher als große Nachhaltigkeitsbegriffe.
EmpCo ist keine Verbotswortliste
Nicht jedes Vorkommen von „nachhaltig“, „grün“ oder „energieeffizient“ ist automatisch verboten.
Für allgemeine Umweltaussagen gelten nach den neuen EmpCo-Regeln nun besonders hohe Anforderungen. Bei der Bewertung von Umweltaussagen wird auch der Gesamteindruck der Kommunikation berücksichtigt. Dazu können Bilder, Siegel, Icons und begleitende Aussagen gehören.
Unser wichtigster Praxistipp lautet deshalb:
Nicht zuerst fragen: „Dürfen wir dieses Wort noch benutzen?“
Sondern: „Was wollen wir damit eigentlich konkret sagen?“
Oft ergibt sich daraus bereits die bessere Formulierung.
1 | Website: Über uns und Unternehmensdarstellung
Gerade unter „Über uns“, „Unsere Werte“, „Verantwortung“ oder „Nachhaltigkeit“ finden sich häufig Aussagen, die über Jahre gewachsen sind.
Statt:
„Wir handeln nachhaltig und verantwortungsvoll.“
konkreter zum Beispiel:
„Wir investieren kontinuierlich in die energetische Modernisierung unserer Bestände und entwickeln unsere Quartiere bedarfsgerecht weiter.“
Oder:
„Bestände erhalten. Energieverbrauch reduzieren. Wohnqualität weiterentwickeln.“
Auch bei „grün“ lohnt sich ein Blick auf die Bedeutung.
Statt:
„Nachhaltig wohnen im grünen Quartier.“
zum Beispiel:
„Viel Grün vor der Haustür: begrünte Innenhöfe, alte Bäume und großzügige Freiflächen prägen das Quartier.“
Dann beschreibt „grün“ tatsächlich das Wohnumfeld – und nicht pauschal die Umweltleistung des Unternehmens.
2 | Wohnungsangebote und Exposés
Auch bei Immobilienangeboten werden Vorteile gern auf wenige Begriffe reduziert.
Statt:
„Moderne, energieeffiziente Wohnung.“
besser – wenn es tatsächlich zutrifft:
„Das Gebäude wurde 2025 energetisch modernisiert. Fassade und Dach wurden gedämmt und die Fenster erneuert.“
Oder:
„Energieeffizienzklasse B laut Energieausweis.“
Grundregel: Lieber die konkrete Eigenschaft nennen als ein großes Versprechen daraus zu machen.
3 | Unternehmenspräsentationen und Imagebroschüren
Gerade in der Nachhaltigkeitskommunikation von Wohnungsunternehmen finden sich häufig Aussagen, die über Jahre gewachsen sind. Hier begegnen uns besonders oft große Unternehmensversprechen.
Statt:
„Nachhaltige Bestandsentwicklung ist für uns selbstverständlich.“
zum Beispiel:
„Wir entwickeln unsere Bestände langfristig weiter – durch Modernisierung, Bestandserhalt und Investitionen in die Energieeffizienz.“
Auch soziale Aussagen sollten nicht nur gut klingen.
Statt:
„Wir sind ein sozial verantwortliches Wohnungsunternehmen.“
konkreter:
„Persönliche Beratung, Nachbarschaftsangebote und Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen gehören für uns zum Wohnen dazu.“
Natürlich gilt immer: Nur nennen, was das Unternehmen tatsächlich leistet.
4 | Neubau und Modernisierung
Baumaßnahmen verführen schnell zu pauschalen grünen Aussagen.
Statt:
„Wir modernisieren nachhaltig und ressourcenschonend.“
zum Beispiel:
„Bei der Modernisierung werden die Gebäudehülle gedämmt, Fenster erneuert und die Heiztechnik modernisiert.“
Oder:
„Wo es technisch sinnvoll ist, erhalten wir vorhandene Bauteile und ergänzen sie gezielt durch neue Lösungen.“
Der Vorteil: Die Aussage ist nicht nur konkreter – Mieterinnen und Mieter erfahren auch, was tatsächlich passiert.
Vorsicht ist außerdem bei Aussagen wie „klimafreundliche Wärmeversorgung“ geboten. Hier ist es sinnvoller, die konkrete Technik oder Maßnahme zu benennen.
5 | Kampagnen
Kampagnen leben von kurzen Botschaften. Genau deshalb lohnt sich hier besondere Aufmerksamkeit.
Statt:
„Grüner wohnen mit uns.“
kann beispielsweise die konkrete Stärke des Quartiers in den Mittelpunkt rücken:
„Mehr Grün vor der Haustür.“
Dazu:
„Neue Bäume, zusätzliche Grünflächen und neu gestaltete Innenhöfe.“
Auch aus
„Familienfreundlich wohnen.“
kann eine stärkere Botschaft werden:
„Mehr Platz fürs Familienleben.“
Darunter folgen die tatsächlichen Argumente: Wohnungsgrößen, Spielmöglichkeiten, Kita, Schule, Freiflächen oder andere relevante Angebote.
EmpCo muss Kommunikation also nicht langweiliger machen. Sie zwingt eher dazu, die wirklichen Vorteile herauszuarbeiten.
6 | Flyer, Mieterinformationen und andere Infomaterialien
Auch kleine Kommunikationsmittel enthalten häufig pauschale Aussagen.
Statt:
„Ihr Haus wird energiesparend modernisiert.“
zum Beispiel:
„Wir dämmen die Fassade und erneuern die Fenster, um Wärmeverluste des Gebäudes zu reduzieren.“
Auch Aussagen wie
„Gut für Mensch und Umwelt“
sollten nicht einfach als schmückender Zusatz verwendet werden.
Wenn beispielsweise Außenanlagen verändert werden, ist die konkrete Information meist stärker:
„Wir erhalten vorhandene Bäume und schaffen zusätzliche bepflanzte Flächen.“
7 | Geschäftsberichte, Mieterzeitungen & Co.: Was passiert mit alten Veröffentlichungen?
Dieser Punkt ist für Wohnungsunternehmen besonders wichtig.
Geschäftsberichte, Mieterzeitungen, Jubiläumsbroschüren oder ältere Projektpublikationen lassen sich nicht einfach rückwirkend umschreiben – und sollten aus unserer Sicht auch nicht pauschal aus der Unternehmensgeschichte verschwinden.
Gleichzeitig gibt es für weiterhin aktive Werbung und bestehende Kommunikationsmittel keine allgemeine Übergangsfrist. Seit dem 27. September 2026 müssen aktuelle Websites, Werbemittel und kundenorientierte Kommunikation die neuen Anforderungen berücksichtigen. Bestehende Inhalte sollten deshalb geprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
Unser pragmatischer Vorschlag: Aktuelles und Archiv trennen
Historische Veröffentlichungen können beispielsweise in einen deutlich bezeichneten Archivbereich verschoben werden.
Etwa:
Archiv – Veröffentlichungen bis August 2026
oder bei einzelnen Dokumenten:
Archivdokument
Geschäftsbericht 2025
Redaktionsschluss: Juni 2026
Die Inhalte geben den Informations- und Kommunikationsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.
Ähnlich kann man mit älteren Mieterzeitungen, Broschüren oder bereits abgeschlossenen Projektdokumentationen umgehen.
Wichtig ist dabei die Trennung:
Aktuelle Kommunikation sollte geprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
Historische Veröffentlichungen können als solche erkennbar dokumentiert bleiben, statt sie stillschweigend als aktuelle Unternehmenskommunikation weiterzuführen.
Eine Archivkennzeichnung ist allerdings kein automatischer rechtlicher Freibrief. Bei besonders werblichen oder problematischen Aussagen sollte geprüft werden, ob ein Dokument weiterhin öffentlich zugänglich bleiben sollte.
Was wir nicht empfehlen würden: aus Vorsicht sämtliche alte Geschäftsberichte, Mieterzeitungen und Unternehmenspublikationen kommentarlos von der Website zu löschen.
8 | Klimaziele und Zukunftsversprechen
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Aussagen wie:
„Wir werden bis 2040 klimaneutral.“
Für Klimaziele gelten besondere Anforderungen an Aussagen über künftige Umweltleistungen. Große Klimaversprechen sollten deshalb nicht einfach durch ein vorsichtigeres „Wir wollen …“ gerettet werden.
Fehlt die erforderliche Grundlage für ein konkretes Klimaziel, sollte die Kommunikation stattdessen auf bereits beschlossene oder umgesetzte Maßnahmen fokussieren.
Zum Beispiel:
„Wir arbeiten schrittweise daran, die CO₂-Emissionen unseres Gebäudebestands zu reduzieren. Aktuelle Schwerpunkte sind …“
EmpCo-Check: Was Wohnungsunternehmen jetzt prüfen sollten
Niemand muss sämtliche Texte neu schreiben.
Für einen ersten Check reichen vier Schritte:
Finden
Suchen Sie auf Ihrer Website und in aktuellen Materialien zunächst gezielt nach Begriffen wie „nachhaltig“, „grün“, „umweltfreundlich“, „klimafreundlich“, „klimaneutral“, „CO₂-neutral“, „energieeffizient“, „ökologisch“, „sozial“ oder „fair“.
Hinterfragen
Was versteht ein Leser wahrscheinlich unter dieser Aussage?
Konkretisieren
Welche tatsächliche Maßnahme, Leistung oder Eigenschaft steckt dahinter?
Sortieren
Was ist aktuelle Kommunikation – und was gehört als historische Veröffentlichung ins Archiv?
Unser Grundsatz:
Nicht Grün streichen. Sondern genauer werden.
Denn eine Aussage wie
„2026 pflanzen wir in unseren Quartieren 120 zusätzliche Bäume.“
erzählt meistens die bessere Geschichte als
„Wir engagieren uns für eine grüne Zukunft.“
Und wenn Zeit und Ressourcen für den EmpCo-Check fehlen?
Gerade bei gewachsenen Websites mit vielen Unterseiten, alten PDFs, Geschäftsberichten, Broschüren und Kampagnenmaterialien wird aus dem vermeintlich kleinen Check schnell eine größere Aufgabe.
Deshalb unterstützen wir Wohnungsunternehmen:
WebScreening
Wir prüfen Ihre Website gezielt auf kritische Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Social-Claims und markieren konkrete Fundstellen.
Sie erhalten eine klare Empfehlung:
belegen · präzisieren · ändern · rausnehmen · archivieren
Material-Check
Wir prüfen Geschäftsberichte, Exposés, Broschüren, Flyer, Anzeigen, Präsentationen, Kampagnen und weitere Kommunikationsmittel.
Und weil gute Kommunikation nicht beim Streichen endet, entwickeln wir auf Wunsch direkt passende Alternativformulierungen.
Unser Ziel ist nicht, möglichst viele rote Stellen zu finden.
Unser Ziel ist Kommunikation, die weiterhin wirkt – nur konkreter, glaubwürdiger und sicherer.
Sie möchten wissen, wo Ihre Kommunikation Handlungsbedarf hat?
Sprechen Sie uns an.
Hinweis: Unsere Kommunikationschecks ersetzen keine rechtliche Prüfung oder Rechtsberatung. Bei rechtlich zweifelhaften Einzelfällen weisen wir darauf hin und empfehlen gegebenenfalls eine juristische Prüfung.
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