enders Marketing

Azubi-MARKETING als Rettungsanker

Wie Unternehmen mehr aus ihren Maßnahmen machen, wenn Ausbildungsplätze schwer zu besetzen sind.

Lesezeit: ca. 03:40 min.

Veröffentlicht am: 24.08.2024
Aktualisiert am: 05.10.2026

Ein Beitrag von Anja Bernhardt, Redakteurin

Auszubildende zu finden, ist mehr als eine Frage der richtigen Stellenanzeige. Jugendliche kommen an vielen Stellen mit einem Unternehmen in Kontakt: auf Social Media, bei Ausbildungsmessen, über Schulen und Praktika, durch Mitarbeitende oder über die eigene Karriere- bzw. Azubiseite.

Die Frage ist deshalb nicht nur: Wo schalten wir unsere nächste Ausbildungsanzeige? Sondern auch: Wo und wie können Jugendliche unser Unternehmen kennenlernen, bevor sie sich für einen Ausbildungsplatz entscheiden?

Langfristige Strategie statt kurzfristiger Lösung

Wer Jugendliche erst erreicht, wenn eine Ausbildungsstelle ausgeschrieben ist, hat weniger Möglichkeiten, vorher einen Kontakt aufzubauen. Wenn Ausbildungsplätze schwer zu besetzen sind, lohnt sich deshalb der Blick darauf, wie die einzelnen Maßnahmen zusammenspielen und was Jugendliche an den verschiedenen Kontaktpunkten tatsächlich über Ihr Unternehmen erfahren.

Tipps zum Weiterdenken

Aktuelle Untersuchungen zeigen, wie wichtig digitale Kanäle für Jugendliche sind. 95 Prozent der 12- bis 19-Jährigen besitzen ein eigenes Smartphone, 98 Prozent nutzen es täglich. Auch Social Media gehört zu den wichtigsten Online-Aktivitäten Jugendlicher.

Das macht Social Media zu einem wichtigen Baustein im Azubi-Recruiting. Aber eben nur zu einem Baustein. Denn Jugendliche lernen ein Unternehmen nicht nur über Instagram, TikTok oder andere soziale Netzwerke kennen. Sie begegnen ihm auf Ausbildungsmessen, bei Praktika, in der Schule, über Mitarbeitende oder auf der eigenen Karriere- und Ausbildungsseite.

Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst viele Kanäle zu bespielen. Vielmehr geht es darum, die Kontaktpunkte zu betrachten, die für das eigene Unternehmen und die Zielgruppe tatsächlich relevant sind – und zu überlegen, wie sie zusammenspielen.

6 Ideen, die dabei helfen können:

# Tipp 1

Finden Sie heraus, warum Ihre Azubis sich für Ihr Unternehmen entschieden haben. Organisieren Sie einen Azubi-Workshop, um gemeinsam mit Ihrem jungen Team Wünsche, Bedürfnisse, Sorgen und Erwartungen zu erkunden. Welche Fragen hatten Ihre Azubis vor der Bewerbung? Was hat sie überzeugt? Und was hätten sie gerne früher gewusst?

Diese Einblicke können Sie direkt für Ihr Ausbildungsmarketing nutzen. Binden Sie Ihre Azubis auch als Testimonials für Flyer, Videos oder Social-Media-Beiträge ein.

# Tipp 2

Fühlen Sie sich auf Jobmessen manchmal wie ein Marktschreier, der seine Ware feilbietet?

Dann organisieren Sie doch Ihre eigenen Azubi-Events. Bei einem Schnuppertag, Betriebsbesuch oder ähnlichen Formaten können potenzielle Bewerber Ihr Unternehmen und den Ausbildungsalltag direkt erleben.

Auch Praktika bieten eine gute Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen: Jugendliche bekommen einen realistischen Einblick in den Beruf und den Betrieb – und Unternehmen lernen potenzielle Auszubildende frühzeitig kennen.

# Tipp 3

Bündeln Sie Ihre Kräfte mit regionalen Bildungseinrichtungen und öffnen Sie Ihr Unternehmen für schulische Projekttage, Betriebsführungen, Praktika, Boys’ & Girls’ Day oder andere Angebote zur Berufsorientierung.

Gerade wenn Ausbildungsstellen schwer zu besetzen sind, lohnt sich der Blick darauf, wie früh Jugendliche mit Ihrem Unternehmen überhaupt in Kontakt kommen.

# Tipp 4

Ihre potenziellen Azubis sind hauptsächlich auf sozialen Medien aktiv? Dann nutzen Sie diese Kanäle – aber nicht einfach, um dort Ihre Ausbildungsstellen zu veröffentlichen. Zeigen Sie stattdessen, wie Ausbildung bei Ihnen tatsächlich aussieht: Arbeitsalltag, Aufgaben, Projekte, Kollegen und die Menschen dahinter. Besonders interessant wird es, wenn Ihre Azubis selbst zu Wort kommen.

# Tipp 5

Lebt Ihr Unternehmen vom Weitersagen, weil Verwandte oder Bekannte der potenziellen Bewerber bei Ihnen arbeiten?

Dann setzen Sie Ihre Mitarbeitenden als Botschafter für die Ausbildung ein. Informieren Sie Ihr Team über offene Ausbildungsplätze und geben Sie ihm Material an die Hand, das unkompliziert weitergegeben werden kann. Das kann ein Azubi-Flyer sein oder – abhängig von der Größe Ihres Unternehmens – ein Azubi-Heft mit Interviews, Einblicken in den Arbeitsalltag und Informationen zu den Ausbildungsberufen.

# Tipp 6

Egal, ob Jugendliche über Social Media, eine Messe, eine Schule oder eine Empfehlung auf Sie aufmerksam werden: Irgendwann suchen sie nach konkreten Informationen über den Ausbildungsbetrieb.

Ihre Karriere- oder Azubiseite sollte deshalb Antworten auf die wichtigsten Fragen geben:

  • Welche Ausbildungsberufe gibt es?
  • Was erwartet mich während der Ausbildung?
  • Wie sieht der Arbeitsalltag aus?
  • Was bietet das Unternehmen?
  • Wer ist Ansprechpartner?
  • Wie kann ich mich bewerben?

Und natürlich: Die Seite muss auf dem Smartphone gut funktionieren.

Auch der Weg zur Bewerbung sollte möglichst einfach sein. Die Karriere- oder Ausbildungsseite ist häufig der Punkt, an dem aus Interesse eine konkrete Bewerbung werden kann. Deshalb sollte sie nicht nur informieren, sondern auch einen unkomplizierten Weg zur Bewerbung bieten.

Werden Sie aktiv, bevor die Ausbildungsstelle offen ist

Azubi-Recruiting beginnt nicht erst, wenn eine Ausbildungsstelle frei ist. Wenn Ausbildungsstellen immer wieder schwer zu besetzen sind, lohnt sich der Blick auf die gesamte Strecke: Wo erreichen Sie Jugendliche? Was erfahren sie dort über Ihr Unternehmen? Und was passiert, wenn sie tatsächlich Interesse bekommen?

Vielleicht liegt die Lösung nicht in der nächsten Maßnahme, sondern darin, die vorhandenen besser miteinander zu verbinden.

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